Neue AI-Klausel der GSA: Auswirkungen auf Bundesverträge

Kommentare zu der vorgeschlagenen AI-Klausel der GSA, fällig am 20. März 2026

Am 6. März 2026 schlug die General Services Administration (GSA) die GSAR 552.239-7001 vor, eine erste Vertragsklausel zur grundlegenden Sicherung von KI-Systemen, die spezifische Anforderungen für den Umgang mit KI im Beschaffungsprozess festlegt. Diese Klausel soll in die GSA Schedule Contracts über den Multiple Award Schedule (MAS) Refresh 31 aufgenommen werden und stellt eine Abweichung von den bestehenden federalen Beschaffungspraktiken dar, da keine andere Behörde eine vergleichbare, eigenständige KI-Governance-Klausel implementiert hat.

Inhaltliche Zielsetzung

Die Klausel zielt darauf ab, die federalen Ziele durch Betonung von Kontrolle, Transparenz und Rechenschaftspflicht im Umgang mit KI voranzutreiben. Sie spiegelt wachsende Bedenken innerhalb der Bundesregierung hinsichtlich Datensicherheit, Risiken in der Lieferkette und der intransparenten Natur vieler kommerzieller KI-Systeme wider. Auftragnehmer, die auf KI angewiesen sind, müssen sicherstellen, dass ihre Praktiken mit diesen Prioritäten übereinstimmen.

Wesentliche Anforderungen

Die Klausel führt umfassende Offenlegungspflichten, erhebliche Einschränkungen bei der Datennutzung, erweiterte Nutzungsrechte der Regierung und verbindliche Compliance-Pflichten für Auftragnehmer ein. Zu diesen Verpflichtungen gehören unter anderem:

  • Die ausschließliche Nutzung von „amerikanischen KI-Systemen“ bei der Vertragserfüllung, d.h. solchen, die in den Vereinigten Staaten entwickelt und produziert wurden.
  • Die Offenlegung aller verwendeten KI-Systeme innerhalb der Lieferkette innerhalb von 30 Tagen nach Vertragsvergabe.
  • Die Gewährleistung von Mechanismen für die Überwachung und Intervention durch die Regierung.
  • Das Verbot der Nutzung von Regierungsdaten zum Training oder zur Verbesserung von KI-Modellen.
  • Die Bereitstellung von Eigentumsrechten an KI-Ausgaben und Entwicklungen für die Regierung.
  • Die umgehende Meldung von Sicherheits- oder Leistungsvorfällen.
  • Die Führung und Bereitstellung von Dokumentationen in Bezug auf die Einhaltung der Klausel.
  • Die Gewährleistung der Datenportabilität und Interoperabilität.
  • Die Einhaltung der Prinzipien für unparteiische KI.

Anwendungsbereich und Definitionen

Die vorgeschlagene Klausel würde sich weitreichend auf den Einsatz von KI bei der Vertragserfüllung beziehen und nicht nur auf KI-Systeme, die der Regierung zur Verfügung gestellt werden. Sie definiert zentrale Begriffe wie „KI-System“ und „amerikanisches KI-System“ und umfasst auch Drittanbieter und Plattformen, die KI-Funktionalitäten unterstützen.

Offenlegungsanforderungen

Auftragnehmer müssen den von der Regierung geforderten Offenlegungen nachkommen, einschließlich Informationen über ihre verwendeten KI-Systeme. Diese Pflicht erstreckt sich auch auf die internen Funktionen der KI-Systeme.

Datenschutz- und Nutzungseinschränkungen

Die Klausel beschränkt zudem die Verwendung von Regierungsdaten im Zusammenhang mit KI-Systemen. Auftragnehmer sind im Allgemeinen untersagt, Regierungsdaten zur Verbesserung von KI-Modellen zu verwenden.

Sicherheitsanforderungen

Die Klausel schafft Sicherheitsverpflichtungen beim Einsatz von KI-Systemen, einschließlich der Einrichtung von Kontrollen zum Schutz vor unbefugtem Zugriff und zur Aufrechterhaltung der Systemintegrität.

Rechte der Regierung und Aufsicht

Die Klausel sieht vor, dass die Regierung das volle Eigentum an allen Regierungsdaten und maßgeschneiderten Entwicklungen behält, während Auftragnehmer nur eine eingeschränkte Lizenz zur Nutzung solcher Daten während der Vertragslaufzeit erhalten.

Flowdown- und Lieferkettenpflichten

Die Klausel verlangt von Auftragnehmern, die Anforderungen auch an Subunternehmer und andere Dienstleister weiterzugeben, die an der Entwicklung oder dem Betrieb von KI-Systemen beteiligt sind.

Erwartete nächste Schritte und Implikationen

Auftragnehmer sollten sich auf die Verfeinerung der Klausel durch die GSA während des MAS-Refresh-Prozesses einstellen. Die Branche wird sich voraussichtlich auf die Machbarkeit der Offenlegungsanforderungen und die praktische Umsetzung der Flowdown-Pflichten konzentrieren.

Schlussfolgerung

Diese Klausel signalisiert eine neue Richtung für die Beschaffungspolitik der Bundesregierung in Bezug auf KI. Auftragnehmer, die proaktiv diese neuen Anforderungen bewerten und umsetzen, werden besser in der Lage sein, compliant und wettbewerbsfähig zu bleiben.

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