AI-Kompetenz: Die nächste große Herausforderung für Unternehmen

AI-Kompetenz: Die nächste große Compliance-Herausforderung für Unternehmen

Die schnelle Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen bringt neue Herausforderungen mit sich. Während die Regulierung nicht mit der rasanten Verbreitung von KI Schritt hält, setzt der EU AI Act einen klaren Standard: Alle Mitarbeiter müssen über eine grundlegende KI-Kompetenz verfügen.

Die Bedeutung der KI-Kompetenz

Die Adoption von KI in Unternehmen beschleunigt sich. Laut McKinsey werden mehr als 78% der globalen Unternehmen in diesem Jahr KI nutzen, wobei 71% GenAI in mindestens einer Funktion implementieren. Mit dieser raschen Verbreitung geht jedoch eine Herausforderung einher, die immer wieder beobachtet wird: das mangelnde Verständnis darüber, wie diese Werkzeuge funktionieren. Dieses Problem steht nun im Fokus der Regulierungsbehörden, insbesondere im Hinblick auf KI-Kompetenz.

Regulatorische Anforderungen

Gemäß Artikel 4 des EU AI Act sind Organisationen verpflichtet, sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter, einschließlich Auftragnehmer und Lieferanten, die Werkzeuge, die sie verwenden, verstehen. Dieser Artikel trat im Februar 2025 in Kraft, und obwohl die formelle Durchsetzung durch nationale Behörden im August 2026 beginnt, gibt es bereits jetzt die Bedrohung privater Klagen im Zusammenhang mit den Verpflichtungen zur KI-Kompetenz.

Artikel 4 ist eindeutig: Nutzer und die von KI-Systemen Betroffenen müssen über eine „ausreichende KI-Kompetenz“ verfügen, um informierte Entscheidungen treffen zu können. Dies betrifft nicht nur Entwickler, Datenwissenschaftler oder IT-Teams, sondern alle Bereiche, die KI einsetzen, einschließlich Personalabteilungen und Marketingteams.

Definition von KI-Kompetenz

Die Europäische Kommission definiert KI-Kompetenz als die „Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis“, die erforderlich sind, um KI verantwortungsvoll zu nutzen. Dies umfasst:

  • Das Verständnis, wie KI-Systeme funktionieren und welche Daten sie verwenden.
  • Die Erkennung von Risiken wie Bias, Diskriminierung und Halluzinationen.
  • Das Wissen, wann und wie menschliche Aufsicht angewendet werden sollte.
  • Das Bewusstsein für rechtliche Verpflichtungen gemäß dem EU AI Act und anderen relevanten Rahmenwerken.

Breite der Compliance-Anforderungen

Der Anwendungsbereich von Artikel 4 ist weitreichend. Jedes Unternehmen, das KI in der EU einsetzt, muss konform sein, einschließlich US-Unternehmen, die KI-gestützte Dienstleistungen auf den EU-Märkten anbieten. Dabei sind nicht nur die technischen Teams gefährdet: Ein schlecht funktionierender Chatbot oder ein Einstellungsalgorithmus, der Vorurteile verstärkt, könnte das Unternehmen haftbar machen.

Generationaler Herausforderungen

Ein weiteres Problem ist die Herausforderung durch die Digital Natives. Diese finden oft eigenständig KI-Tools über Suchmaschinen oder soziale Medien, was zu Risiken für Organisationen führen kann, wenn keine Anleitung vorhanden ist. Shadow AI wird zu einem wachsenden Anliegen, da das Verbot von KI nicht deren Nutzung stoppt, sondern oft nur auf persönliche Geräte verlagert, wo die Aufsicht begrenzt ist. Daher sind umfassende Schulungen und klare Richtlinien unerlässlich.

Praktische Maßnahmen für Unternehmen

Um den Anforderungen gerecht zu werden, sollten Unternehmen die folgenden praktischen Schritte unternehmen:

  • AI Estate kartieren: Führen Sie Sitzungen durch, um herauszufinden, wer was nutzt. Prüfen Sie alle KI-Systeme, sei es für Entscheidungsfindung, Kundeninteraktion oder Inhaltsgenerierung.
  • Schulung zur KI-Kompetenz anpassen: Gestalten Sie die Schulungen spezifisch für die Rolle. HR-Teams, die KI im Einstellungsprozess nutzen, müssen Vorurteile und Datenschutz verstehen.
  • Verträge mit Dritten überprüfen: Anbieter, die KI in Ihrem Auftrag verwenden, müssen ebenfalls die Standards für Kompetenz erfüllen.
  • Interne KI-Richtlinien festlegen: Definieren Sie akzeptable Nutzung, Genehmigungsprozesse und Anforderungen an menschliche Prüfungen.
  • Führungskräfte einbinden: Verantwortungsvolle KI-Nutzung beginnt an der Spitze. Führungskräfte müssen eine Kultur der Compliance und Transparenz fördern.

Dieser Fokus auf KI-Kompetenz markiert einen bedeutenden Wandel. Unternehmen können nicht länger behaupten, KI verantwortungsvoll zu nutzen, wenn ihre Mitarbeiter sie nicht verstehen. Ähnlich wie die DSGVO die Datenpraktiken transformierte, verändert der EU AI Act, wie KI implementiert, überwacht und erklärt wird. Was früher als beste Praxis galt, ist jetzt eine rechtliche Verpflichtung, und je früher Unternehmen handeln, desto besser sind sie darauf vorbereitet, compliant zu sein.

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