Vietnam setzt mit neuem KI-Gesetz auf Innovation und staatliche Kontrolle

Vietnam’s New AI Law Balances Innovation Push With Tight State Control

Am 1. März trat in Vietnam das erste umfassende Gesetz über künstliche Intelligenz in Südostasien in Kraft. Das Gesetz über Künstliche Intelligenz orientiert sich an früheren Gesetzen, insbesondere dem AI Act der EU, das ein risikobasiertes Management von KI umfasst.

Das Gesetz wurde zu einem Zeitpunkt eingeführt, als Hanoi die „Ära des nationalen Aufstiegs“ anstrebt, ein Begriff, der 2024 geprägt wurde, um die Vision eines wohlhabenden, entwickelten Vietnams bis 2045 zu reflektieren. Zu den Hauptmotoren dieser Transformation zählen Technologien, während effiziente Institutionen sowohl als Wachstumstreiber als auch als Bremsen agieren, um digitale Souveränität, Sicherheit und Schutz im digitalen Raum zu gewährleisten.

Wesentliche Merkmale des Gesetzes

Das Gesetz wurde in nur drei Monaten entworfen und durchlief mehrere Konsultationsrunden mit KI-Unternehmen, Branchenverbänden und internationalen Experten. Ein zentrales Prinzip des Gesetzes ist, dass KI als Hilfsmittel dient und Entscheidungen in wichtigen gesellschaftlichen Angelegenheiten von Menschen getroffen werden müssen.

Im Gegensatz zum schadensbasierten Haftungsansatz der EU legt Vietnam Regeln für fehlerbasierte Haftung fest. Während Unternehmen argumentieren könnten, dass diese Regelung die Innovation behindert, könnte dieser Ansatz global Verbreitung finden. Die vietnamesischen Gesetze definieren klar verbotene Handlungen, wie die Ausnutzung von KI für illegale Zwecke, das Erstellen von Deepfakes zur Täuschung oder Manipulation sowie die Verbreitung gefälschter Materialien, die die nationale Sicherheit oder die öffentliche Ordnung bedrohen.

Verantwortlichkeit und Haftung

Das vietnamesische Gesetz erlaubt den lokalen Behörden umfassende Durchsetzungsbefugnisse, was eine flexible Auslegung und Anwendung ermöglicht. Unternehmen, die in Vietnam tätig sein möchten, müssen ihre Produkte selbst klassifizieren, um festzustellen, ob sie als hoch-, mittel- oder niedrigriskant eingestuft werden. Produkte, die als mittel- oder hochriskant gelten, unterliegen regelmäßigen Prüfungen.

Darüber hinaus müssen Anbieter und Anwender KI-generierte Bilder, Videos und Audios kennzeichnen. Diese Anforderung steht im Einklang mit dem aktualisierten Gesetz über Cybersicherheit, das im Juli in Kraft tritt und die Nutzung von KI zum Erstellen und Veröffentlichen von illegalen Deepfakes untersagt.

Implikationen und Herausforderungen

Die Einführung des Gesetzes hat jedoch auch Unsicherheiten hinsichtlich der praktischen Durchsetzung mit sich gebracht. Während das Gesetz allgemeine Prinzipien festlegt, hängt die Umsetzung stark von den zugrunde liegenden Richtlinien ab. Die Frist von 12 bis 18 Monaten für bestehende KI-Systeme könnte den Markteintritt erschweren und die Vorteile von KI-Investitionen einschränken.

Die Kriterien für hochriskante KI-Systeme könnten insbesondere kleinere Start-ups vor große administrative Herausforderungen stellen und die Innovationsgeschwindigkeit beeinträchtigen. Gleichzeitig bietet das Gesetz zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen, einschließlich geplanter nationaler KI-Infrastruktur und finanzieller Anreize.

Fazit

Insgesamt hat Vietnam mit seinem neuen KI-Gesetz einen umfassenden rechtlichen Rahmen geschaffen, der sowohl Innovationen fördert als auch staatliche Kontrolle ausübt. Die Herausforderung wird darin bestehen, eine Balance zwischen der Förderung von Technologie und dem Schutz der Bürgerrechte zu finden.

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