AI-Transparenz: Debatten über „betrügerische Absicht“
Vorgeschlagene Regeln zur Kennzeichnung von KI-Deepfakes, die im Rahmen eines Transparenzkodexes entwickelt werden, der mit dem KI-Gesetz verbunden ist, spalten die Experten, die am EU-Entwurfsprozess beteiligt sind.
Gemäß dem KI-Gesetz der EU müssen Unternehmen sicherstellen, dass KI-generierte Inhalte – Bilder, Videos, Audios – mit Wasserzeichen versehen werden, die die Rolle der KI bei ihrer Erstellung offenlegen. Wenn ein KI-System verwendet wird, um einen Deepfake zu erstellen, wie etwa ein Video, das anscheinend eine echte Person zeigt, muss es als synthetisch gekennzeichnet werden, um das Risiko der Täuschung zu vermeiden.
Herausforderungen bei der Kennzeichnung
Obwohl das Prinzip einfach klingt, ist die Ausarbeitung klarer Regeln für eine solche Kennzeichnung mit feinen Entscheidungen verbunden. Insbesondere zeichnet sich ein Konflikt zwischen Interessenvertretern der Industrie und zivilgesellschaftlichen Gruppen ab, wo die EU die Grenze ziehen sollte, wenn es um die Kennzeichnung von Inhalten geht, die KI-verbessert oder -generiert sind. Ziel des Verhaltenskodexes ist es, Unternehmen praktische Ratschläge zur Einhaltung der Transparenzregeln des KI-Gesetzes zu geben, die ursprünglich im August 2026 in Kraft treten sollten.
Der erste Entwurf
Ein erster Entwurf des Kodexes, der vor Weihnachten veröffentlicht wurde, scheint sich in Richtung der zivilgesellschaftlichen Position zu bewegen. Unabhängige Experten, die den Prozess leiten, unterstützen die Kennzeichnung selbst von „scheinbar kleinen“ Änderungen, die den Kontext von Inhalten verändern, wie etwa die Verwendung von KI-Tools zur Rauschunterdrückung in einer Audioaufnahme.
Industrievertreter äußerten jedoch Bedenken gegen solch umfassende Wasserzeichen-Regeln und argumentierten, dass sie dazu führen würden, dass Labels überall auftauchen und somit ihre Warnwirkung verwässern würden. Besonders betroffen könnten bestimmte Branchen sein, wie die Werbung.
Betrügerische Absicht
Die zentrale Frage in den jüngsten Gesprächen über den Kodex war, ob „betrügerische Absicht“ berücksichtigt werden sollte, wenn es darum geht, ob Inhalte gekennzeichnet werden müssen. Das KI-Gesetz selbst bezieht sich nur allgemein auf „künstlich erzeugte oder manipulierte“ Inhalte.
Zukünftige Entwicklungen
Der entstehende Transparenzkodex ist die zweite Leitlinie des KI-Gesetzes – nach dem im letzten Jahr viel beachteten Kodex für allgemeine KI-Modelle. Wie beim GPAI-Kodex wird der endgültige Kodex freiwillig sein: Unternehmen können wählen, ob sie sich anmelden möchten. Diejenigen, die dies tun, werden jedoch wahrscheinlich als im Einklang mit den besten Praktiken angesehen, was ihnen Punkte bei einer formalen Bewertung der Einhaltung des KI-Gesetzes einbringen dürfte.
Unabhängige Experten leiten den Prozess zur Erstellung dieser Kodizes, wobei Interessenvertreter aus Industrie und Zivilgesellschaft Input geben oder in Meinungsverschiedenheiten aufeinandertreffen, wie es im Fall des Transparenzkodex-Entwurfs zu sein scheint.
Ähnliche Diskussionen finden auch hinsichtlich separater Regeln statt, die von KI-Systemen verlangen, ein maschinenlesbares Wasserzeichen auf die von ihnen generierten Inhalte anzuwenden. Dies wird für alle KI-Inhalte gelten, nicht nur für Deepfakes, und wird Verpflichtungen für Entwickler von KI-Systemen festlegen, nicht nur für deren Anwender.
Verzögerungen in der Umsetzung
Unabhängig von der endgültigen Form des Transparenzkodexes werden Unternehmen wahrscheinlich mehr Zeit für die Einhaltung der Wasserzeichen-Regeln des KI-Gesetzes erhalten: Die Kommission hat vorgeschlagen, deren Anwendung auf Februar 2027 zu verschieben für KI-Systeme, die vor August 2026 veröffentlicht werden.
Die endgültige Antwort auf die derzeit in den Stakeholder-Diskussionen über den Transparenzkodex aufgeworfenen Fragen könnte jedoch die Erstellung eines separaten Dokuments durch die Kommission erfordern. Theoretisch soll der Transparenzkodex nur praktische Details zur Umsetzung der EU-Regeln liefern – die Kommission arbeitet selbst an separaten Leitlinien, die den Geltungsbereich und die rechtlichen Definitionen der Regeln ansprechen.
Dieses kommende Dokument könnte einige Schlüsselbegriffe klären, die für die Diskussionen über den Transparenzkodex von Bedeutung sind. Es wird jedoch erst im Juni erwartet, rund um die Zeit, zu der der Verhaltenskodex finalisiert werden soll.