Wenn Bots Preise festlegen: Risiken algorithmischer Preisgestaltung
Hintergrund
In einem aktuellen Blogbeitrag wird auf die steigenden Risiken der Wettbewerbsrechtskonformität hingewiesen, die mit der Nutzung von KI-gestützten algorithmischen Preisgestaltungstools verbunden sind. Diese Werkzeuge werden zunehmend leistungsfähiger und verbreiteter. Obwohl sie erhebliche betriebliche Effizienzen und kommerzielle Vorteile bieten können, erhöhen sie das Risiko von Absprachen zwischen Wettbewerbern. Die Aufsichtsbehörden konzentrieren sich daher aktiv auf die Möglichkeiten, wie KI zu koordinierten Preisfestsetzungen führen kann, die gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen.
Die europäische Kommission hat algorithmische Preisgestaltung ebenfalls als Durchsetzungspriorität hervorgehoben. Die wettbewerbsrechtlichen Risiken, die mit algorithmischer Preisgestaltung verbunden sind, werden in den Horizontal Cooperation Guidelines behandelt, die 2023 veröffentlicht wurden. Jüngste Erklärungen von Kommissionsbeamten deuten auch auf eine Intensivierung der Ermittlungen hin.
Aufstieg der algorithmischen Preisgestaltung
Algorithmische Preisgestaltung ist kein neues Phänomen und wird seit Jahrzehnten in verschiedenen Sektoren wie der Luftfahrt, der Gastronomie und dem Einzelhandel eingesetzt. Neu ist jedoch der marked Anstieg in der Komplexität und Allgegenwart von Preisalgorithmen. Moderne Algorithmen können umfangreiche Datensätze in Echtzeit verarbeiten und werden zunehmend durch fortschrittliche große Sprachmodelle (LLMs) unterstützt. Unternehmen haben mehr denn je Zugang zu leistungsstarker, kostengünstiger prädiktiver Technologie, die kommerzielle Entscheidungen, einschließlich der Preisgestaltung, informieren oder automatisieren kann.
Algorithmische Kollusion und Compliance-Risiken
Algorithmische Preisgestaltung kann zu koordinierten wettbewerbswidrigen Preisfestsetzungen führen, was als algorithmische Kollusion bezeichnet wird. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie die Integration von KI in Preisalgorithmen zu solchen Ergebnissen führen kann:
- Implementierung klassischer Kollusion: Wettbewerber können eine ausdrückliche Vereinbarung haben, ihr kommerzielles Verhalten zu koordinieren und Algorithmen zu verwenden, um diese Vereinbarung umzusetzen.
- Hub-and-Spoke-Kollusion: Wettbewerber können denselben Algorithmus oder Datenhub nutzen, um den indirekten Austausch wettbewerblich sensibler Informationen zu erleichtern.
- Vorhersehbares Agentenverhalten: Algorithmen, die vorhersehbar auf Marktereignisse reagieren, erhöhen das Risiko einer stillschweigenden Koordination.
- Autonome KI-Koordination: Fortschrittliche KI-Systeme können lernen, koordinierte Ergebnisse zu erreichen, um Gewinne zu maximieren.
Praktische Maßnahmen zur Risikominderung
Obwohl die Nutzung von Algorithmen oder KI an sich nicht problematisch ist, müssen Unternehmen die potenziellen Compliance-Risiken berücksichtigen. Unternehmen sollten geeignete Schutzmaßnahmen implementieren, um Verstöße gegen Wettbewerbsregeln zu verhindern. Zu den proaktiven Schritten zur Risikomanagement gehören:
- Due Diligence: Die Überprüfung neuer algorithmischer Preisgestaltungs- und KI-gesteuerter Werkzeuge sollte Teil des Beschaffungsprozesses sein.
- Governance und Aufsicht: Klare Richtlinien zur Nutzung algorithmischer Preisgestaltungswerkzeuge sollten festgelegt werden.
- Audits: Regelmäßige Prüfungen und Stresstests der KI-Tools sollten durchgeführt werden.
- Compliance-Training: Schulungen für Mitarbeiter über die potenziellen rechtlichen Risiken im Zusammenhang mit Preisalgorithmen sollten angeboten werden.