UK-Unternehmen optimistisch in Bezug auf KI – Governance-Lücke setzt Versicherer neuen Risiken aus
UK-Unternehmen zeigen sich als globale Vorreiter in ihrer Begeisterung für künstliche Intelligenz (KI). Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass sowohl das Vertrauen als auch die Akzeptanz von KI stark steigen, während es an formeller Governance und Risikotransfer mangelt.
Forschungsbefunde
Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Hälfte der befragten UK-Unternehmen KI in irgendeiner Form implementiert hat. 49% haben KI in Teilen ihrer Betriebsabläufe eingeführt, was einen Anstieg von 39% im Jahr 2024 und nur 20% im Jahr 2023 darstellt. 12% gaben an, dass KI jetzt vollständig implementiert ist.
Die Akzeptanz erstreckt sich über eine Vielzahl von Funktionen. Über die Hälfte der Unternehmen (52%) nutzt KI zur Unterstützung von Chatbots und persönlichen Assistenten, während ähnliche Werte in den Bereichen Forschung und Analyse (49%) sowie Kundenservice (48%) zu finden sind. KI wird auch im IT-Operations-Management (45%) und der Betrugserkennung (44%) eingesetzt.
Die ersten Ergebnisse sind positiv. Fast neun von zehn Unternehmen (86%) berichten von einem positiven Einfluss auf den Umsatz durch KI. Die Mehrheit meldet ebenfalls Gewinne in Bezug auf das Vertrauen und Engagement der Mitarbeiter (84%) sowie die Produktivität (83%).
Optimismus in der Führungsetage
Die Daten zeigen, dass Führungskräfte im Vereinigten Königreich zu den optimistischsten weltweit in Bezug auf das Potenzial von KI gehören. Über 90% (93%) sehen KI als positive Chance für ihre Organisation, ein Anstieg von 83% in den Jahren 2024 und 2023. 83% glauben, dass KI im Laufe der Zeit den Umsatz steigern wird.
62% der Unternehmen verfolgen aktiv die Rentabilität ihrer KI-Investitionen, während weitere 35% planen, dies zu tun. Im Durchschnitt erwarten die Führungskräfte, dass es etwa 27 Monate dauern wird, bis KI-Investitionen klar messbare finanzielle Erträge liefern.
Risiken und Herausforderungen
Trotz der positiven Aussichten sind sich die Führungskräfte der Risiken bewusst. Mehr als die Hälfte äußert Bedenken hinsichtlich eines Verlusts des gesunden Menschenverstandes durch übermäßige Abhängigkeit von KI-Tools sowie einer erhöhten Exposition gegenüber Cyberangriffen und Betrug (56% bzw. 55%). Nur 43% äußerten Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf das Engagement der Mitarbeiter, was unter dem globalen Durchschnitt von 50% liegt.
Für Versicherer ist der Cyber-Aspekt besonders wichtig. Regierungsdaten zeigen, dass es im Jahr bis August 2025 204 national signifikante Cybervorfälle gab, was einem Anstieg von 129% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dennoch bleibt die Einführung von Cyberversicherungen begrenzt, wobei Schätzungen darauf hindeuten, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der Organisationen im Vereinigten Königreich keinen angemessenen Cyberschutz haben.
Mit der Einbettung von KI in Entscheidungsprozesse warnen Fachmärkte vor neuen Expositionswegen. Kommentatoren haben hervorgehoben, dass Unternehmen sich möglicherweise bereits „haftbar machen“, indem sie sich auf KI im Alltag verlassen, insbesondere wenn Werkzeuge zu Halluzinationen neigen. Wenn KI-generierte Ergebnisse ohne angemessene menschliche Aufsicht verwendet werden, könnte dies als fahrlässig angesehen werden und zu Haftungsansprüchen führen.
Governance und Sicherheitsmaßnahmen
Die Umfrage zeigt, dass viele Unternehmen im Vereinigten Königreich schneller bei technischen Risikomaßnahmen vorankommen als bei der formellen KI-Governance. Insgesamt gaben 60% der Unternehmensleiter an, dass sie KI-bezogene Sicherheitsanfälligkeiten bewertet und gemindert haben, unter anderem durch Investitionen in Cybersicherheit. Die Mehrheit (57%) hat ihre KI-Strategie an die Belegschaft kommuniziert.
Strukturierte Maßnahmen sind jedoch weniger verbreitet. Nur 39% haben spezielle Notfallpläne für KI-bezogene Ereignisse entwickelt, und weniger als die Hälfte (42%) hat ethische Auswirkungen bewertet, um potenzielle gesellschaftliche, rechtliche oder reputationsschädigende Schäden zu beurteilen.
Diese Ergebnisse spiegeln breitere Forschungen wider, die zeigen, dass die KI-Akzeptanz in vielen Fällen schneller voranschreitet als die Governance und die Bereitschaft der Belegschaft. Dies ist ein Grund, warum KI in die oberste Kategorie globaler Unternehmensrisiken eingestiegen ist. Schlechte KI-Governance und schwache interne Kontrollen werfen Bedenken hinsichtlich compliance-gesteuerter Ansprüche, regulatorischer Geldbußen und Streitigkeiten über Datenverwaltung und Datenschutz auf.
Fazit
Führungskräfte im Vereinigten Königreich sind überwältigend positiv in Bezug auf die Vorteile von KI und haben bereits Strategien zur Integration von KI in ihre Arbeitskräfte entwickelt. Dennoch bleiben viele Organisationen in der Planungsphase, wenn es um die Governance von KI geht. Formelle KI-Richtlinien, Rahmenbedingungen und Notfallpläne sind oft noch im Aufbau, was erhebliche Risiken – cyber- und rechtliche, gesellschaftliche und reputationsbedingte – birgt und viele Unternehmen anfällig macht. Es ist entscheidend, dass der Optimismus und die Ambitionen der Unternehmensleiter in robuste Governance-, Aufsichts- und Risikomanagementrahmen übersetzt werden, um sie vor den damit verbundenen Risiken zu schützen.