KI in der Versicherungsbranche: Innovation, Risiken und die neue Grenze von Ansprüchen und Haftung
Einführung
Mit der zunehmenden Transformation der Versicherungslandschaft durch künstliche Intelligenz (KI) sehen sich Versicherer einem wachsenden Spannungsfeld zwischen Automatisierung und Verantwortung gegenüber. Der globale Markt für KI in der Versicherungsbranche wird bis 2028 voraussichtlich einen Wert von etwa 16 Milliarden USD erreichen und bis 2030 auf ca. 88 Milliarden USD anwachsen. Die Automatisierung von Schadensfällen wird als das am schnellsten wachsende Segment prognostiziert.
Automatisierung und Haftung
Die Schadensbearbeitung in der Sach- und Haftpflichtversicherung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Technologien wie Drohnen, Bildverarbeitungssoftware und prädiktive Modelle informieren über Schadensbewertungen und berücksichtigen Policen. Automatisierung kann traditionelle Ansprüche erheblich beschleunigen, sofern die Systeme jedoch richtig konfiguriert und überwacht werden. Barrieren wie veraltete Systeme und hohe Implementierungskosten stehen der schnelleren Einführung entgegen.
Risiken durch KI
Obwohl KI die Bearbeitung von Schadensfällen beschleunigen kann, birgt sie auch rechtliche Risiken. In den USA gab es Klagen gegen Versicherer, die KI-gestützte Werkzeuge einsetzen, um Gesundheitsansprüche aufgrund übermäßiger statistischer Vorhersagen abzulehnen. Ähnliche Vorwürfe sind in der Sachversicherung aufgetreten, wo Modelle angeblich diskriminierend gegenüber bestimmten Stadtteilen waren.
Schadensbearbeitung mit KI
KI ermöglicht eine beispiellose Geschwindigkeit bei der Dokumentenprüfung und -triage. In der Schadensbearbeitung können Modelle, die auf historischen Verlustdaten trainiert wurden, Schadensfotos sofort vergleichen und die nächsten Schritte empfehlen. Ein Beispiel ist ein Versicherer, der eine automatisierte Lösung für Ansprüche bei extremen Wetterereignissen nutzt.
Expertenanalyse und rechtliche Unterstützung
KI verbessert auch die Expertenanalyse und Präsentation in Rechtsstreitigkeiten. Ingenieure und forensische Analysten verwenden KI, um Schlussfolgerungen zu überprüfen und logische Inkonsistenzen zu identifizieren. Die Rolle von KI in Expertenmeinungen wird zunehmen, was eine größere Überprüfung dieser Meinungen zur Folge haben wird.
Haftung in finanziellen Linien
Die Exposition gegenüber KI reicht weit über die Schadensbearbeitung hinaus. Falsche Darstellungen der KI-Fähigkeiten von Unternehmen, bekannt als „KI-Washing“, ziehen zunehmend die Aufmerksamkeit von Regulierungsbehörden und Investoren auf sich. Dies eröffnet neue Herausforderungen für Direktorenhaftpflicht und Fehler- und Auslassungshaftung.
Ethik und Governance
Die ethischen Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit KI werfen Bedenken auf, die auch von verschiedenen Organisationen angesprochen werden. Die Schaffung von Transparenz und fairen Praktiken ist entscheidend, um unfairen Handelspraktiken und unangemessenen Schadenregulierungen entgegenzuwirken.
Fazit
Da die Automatisierung durch KI in der Versicherungsbranche immer präsenter wird, reicht Transparenz allein nicht aus; verantwortungsvolle Governance und Expertenaufsicht sind ebenfalls unerlässlich. Versicherer, die den verantwortungsvollen Einsatz von KI demonstrieren, werden sich im Markt hervorheben.