AI-Governance, der indische Weg: Alte Gesetze nutzen, neue Lücken schließen, um ein Modell für den Globalen Süden zu gestalten
Als erste Nation des Globalen Südens, die in diesem Monat den AI Impact Summit in Neu-Delhi ausrichtet, hat Indien die Möglichkeit, die Diskussion über die AI-Governance zu prägen. Diese Gelegenheit wird durch die Teilnahme von über hundert Nationen, darunter mehr als fünfzehn Staatsoberhäupter, sowie über hundert CEOs der Technologiebranche und führenden Denkern im Bereich KI verstärkt.
Governance-Ansätze im globalen Kontext
Der Governance-Ansatz ist ein kritischer Bestandteil der gesamten KI-Strategie eines Landes. Die USA, als führende KI-Supermacht, verfolgen einen deregulierenden Ansatz zur KI-Governance. China hingegen setzt auf staatliche Kontrolle in seinem Governance-Ansatz. Die EU implementiert einen compliance-lastigen EU AI Act.
Indien strebt als Teil und in einer Führungsrolle für den Globalen Süden an, das wirtschaftliche, wohlfahrtsorientierte und entwicklungsbezogene Potenzial von KI zu nutzen. Daher kann Indien einen alternativen Ansatz zur KI-Governance im Globalen Süden anbieten, der innovationsfreundlich ist und gleichzeitig die Risiken der KI berücksichtigt.
Regulatorische Lücken schließen
Anstatt neue, spezifische KI-Gesetze zu erlassen, hat Indien seine nationale AI-Governance-Reise mit den AI Governance Guidelines (November 2025) begonnen, die die Anwendung bestehender Gesetze zum Risikomanagement von KI befürworten. Für Risiken und Probleme, die nicht durch bestehende Gesetze abgedeckt sind, zielt Indien darauf ab, regulatorische Lücken durch gezielte Änderungen zu schließen.
Ein Beispiel für bestehende Gesetze, die Indien als ausreichend erachtet, um KI-Risiken zu adressieren, sind das Informationstechnologiegesetz und das Bhartiya Nyay Samhita zur Beurteilung von Identitätsdiebstahl durch Deepfakes. Ein weiteres Beispiel ist das Gesetz zum Schutz persönlicher Daten, um die Nutzung persönlicher Daten ohne Zustimmung für das Training von KI-Modellen zu bekämpfen.
Regulatorische Herausforderungen im Urheberrecht
Eine wichtige regulatorische Lücke im indischen Urheberrecht betrifft die Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Inhalt zum Training von KI-Modellen. Nach Konsultationen mit der Industrie hat das zuständige Ministerium ein Arbeitspapier veröffentlicht, das ein „hybrides Modell“ empfiehlt, das eine obligatorische Pauschallizenz für KI-Entwickler vorsieht, um rechtmäßig auf urheberrechtlich geschützte Werke zugreifen zu können. Die Empfehlungen des Ministeriums weichen von den Ausnahmen zum Text- und Daten-Mining (TDM) ab, die in der EU, Japan und Singapur gelten, da deren Umsetzung als nicht praktikabel angesehen wird.
Die Empfehlungen bringen jedoch auch Herausforderungen bei der Umsetzung mit sich, wie die Umkehrung der Beweislast, die KI-Entwickler dazu zwingt, ihre Unschuld zu beweisen. Dies könnte zu übermäßigen und unbegründeten Rechtsstreitigkeiten führen. Zudem könnte die Festlegung von Lizenzgebühren auf den globalen Umsatz von KI-Entwicklern rechtliche Unsicherheiten erzeugen.
Kennzeichnungspflichten für synthetisch erzeugte Informationen
Ein weiteres ungelöstes Problem im indischen Recht betrifft die Verbreitung von Fehlinformationen und unrechtmäßigen Inhalten durch KI oder synthetisch erzeugte Informationen (SGI). Am 10. Februar 2026 hat Indiens IT-Ministerium Änderungen an den Richtlinien für Intermediäre und den Ethikkodex für digitale Medien veröffentlicht. Die Änderungen haben auf das Feedback der Industrie reagiert und die Definition von SGI präzisiert.
Die neuen Regeln fokussieren sich auf eine leicht erkennbare und angemessen wahrnehmbare Kennzeichnung von SGI und integrieren permanente Metadaten, um die Herkunft zu belegen. Trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin Bedenken hinsichtlich der Einhaltungsfristen, die für die Industrie strenger sind als zuvor vorgeschlagen.
Schlussfolgerung
Indien hat begonnen, regulatorische Lücken in Bezug auf KI-Risiken zu schließen, doch die Vorschläge bringen Herausforderungen bei der Umsetzung mit sich. In dieser Phase ist es entscheidend, dass Regierung und Industrie weiterhin Konsultationen führen und iterativ mit ihren Empfehlungen umgehen. Indien muss beim AI Impact Summit demonstrieren, dass die Nutzung bestehender Gesetze ein praktikables Modell für den Globalen Süden darstellt. Die aktuellen Erkenntnisse aus Indien, einschließlich der Themen Urheberrecht und SGI, werden dem Globalen Süden zugutekommen.