AI-Governance-Fehler werden zu einem Risiko für D&O-Haftung
Die Governance von KI ist kein theoretisches Problem mehr, das nur im Vorstand besprochen wird. Da die Aufsichtsbehörden von Richtlinien zu Durchsetzungsmaßnahmen übergehen, wird die schwache Aufsicht über künstliche Intelligenz schnell zu einem tatsächlichen Haftungsrisiko für Direktoren und Führungskräfte, mit Auswirkungen auf die Bewertung, Offenlegung und das Vertrauen der Investoren.
Regulatorische Maßnahmen und deren Folgen
Diese Veränderung wird durch jüngste regulatorische Maßnahmen gegen ein Unternehmen unterstrichen, das mit einem KI-Chatbot verbunden ist. Die französischen Behörden haben Büros durchsucht, die mit dieser Plattform in Verbindung stehen, während britische Regulierungsbehörden neue Ermittlungen zur Datennutzung und zu Inhaltskontrollen eingeleitet haben. Obwohl sich die Untersuchungen auf Technologie und Compliance konzentrieren, landet die dadurch geschaffene Exposition zunehmend auf der Vorstandsebene.
Es wird gewarnt, dass die Exposition sowohl aus Handlungen als auch aus Untätigkeit entstehen kann. Entscheider sind immer gefährdet, egal ob sie denken, dass sie gute Arbeit leisten oder das Thema KI ignorieren.
Intangible Werte und fragile Bewertungen
Die Herausforderung der Governance wird dadurch verstärkt, dass die modernen Unternehmensbewertungen stark von immateriellen Vermögenswerten, insbesondere Daten, geistigem Eigentum und Reputation, abhängen. Ein Beispiel dafür ist die Veränderung der Zusammensetzung des S&P 500, wo etwa 90 % des Vermögenswerts im Jahr 2020 als immateriell geschätzt wurden.
Wenn es Probleme mit dem Ruf oder Mängel in der Forschung gibt, kann dieser Wert über Nacht verschwinden. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Bewertung eines Unternehmens während der Übernahme durch einen prominenten Investor, bei der Fragen zur Benutzerbasis und zu nicht-menschlichen oder Spam-Konten aufkamen.
Investitionsintensität und Governance-Druck
Die enorme Investitionsmenge, die in KI fließt, schafft ebenfalls D&O-Exposition. Viele der größten Unternehmen setzen stark auf KI, und das führt zu einer erhöhten Verantwortung bei der Kapitalverteilung und der rechtfertigenden Kommunikation gegenüber Investoren.
AI-Washing und der Zusammenbruch eines Unternehmens
Das Risiko wird schärfer, wenn Unternehmen ihre KI-Fähigkeiten übertreiben, um Bewertungen zu steigern, ein Phänomen, das oft als AI-Washing bezeichnet wird. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen, das sich als KI-gesteuerte Plattform präsentierte und letztendlich aufgrund nicht existierender KI insolvent wurde.
Regulatorische Fragmentierung erhöht den Druck
Die fragmentierte Regulierung auf globaler Ebene verstärkt die Risiken für Führungskräfte. Die USA und die EU regulieren KI unterschiedlich, was für global agierende Unternehmen entscheidend ist, um Compliance über Jurisdiktionen hinweg zu managen und zu kommunizieren.
Zunehmende Vorsicht bei der Underwriting
Trotz der weit verbreiteten Diskussion über KI-Risiken wird diese Thematik im Underwriting noch nicht vollständig berücksichtigt. Es ist eine wachsende Vorsicht zu beobachten, insbesondere bei neu gegründeten Unternehmen, die sich als KI-fokussiert positionieren.
Die Warnzeichen sind für D&O-Versicherer und -Makler immer schwerer zu ignorieren. Die Governance von KI ist kein zukünftiges Risiko mehr, sondern eine gegenwärtige Herausforderung mit echtem Anspruchspotenzial.