Goldman Sachs setzt Claude AI für Handelsbuchhaltung, Compliance und Onboarding ein – Beginnt eine neue Ära im Investmentbanking?
Goldman Sachs nutzt nun autonome KI-Agenten, die von Claude Opus 4.6 der Firma Anthropic betrieben werden, für kritische „Back-Office“-Aufgaben, die zuvor schwer zu automatisieren waren. Die Bank hat in den letzten sechs Monaten Anthropic-Ingenieure direkt in ihre Teams integriert, um diese Agenten gemeinsam zu entwickeln.
Fokus auf komplexe Finanzaufgaben
Laut dem CIO der Bank hat sich der Schwerpunkt von einfacher Programmierunterstützung auf komplexe, logikbasierte Finanzaufgaben verlagert. Die Nachricht, dass Goldman eigene KI-Agenten mit Claude entwickelt, hat Schockwellen durch den Markt für Unternehmenssoftware gesendet. Da die Bank effektiv „den Mittelsmann ausschaltet“, befürchten Investoren, dass spezialisierte Software-as-a-Service (SaaS)-Anbieter ersetzt werden.
Über 12.000 Entwickler und Tausende von Back-Office-Mitarbeitern nutzen Claudes fortschrittliches Denken, um einen Teil von Vermögenswerten in Höhe von 2,5 Billionen Dollar zu verwalten.
Fortschritte in der Produktivität
Im Gegensatz zu herkömmlichen Chatbots nutzen diese autonomen Agenten Claudes massive 1-Million-Token-Kontextfenster, um komplexe Finanzdaten in Echtzeit zu verarbeiten. Die Bank berichtet, dass KI-gesteuerte Programmierassistenten die Produktivität der Entwickler bereits um über 20 % gesteigert haben, was wöchentliche Einsparungen in Tausenden von Arbeitsstunden zur Folge hat.
Anthropic, ein auf KI-Sicherheit fokussiertes Unternehmen, bietet den erforderlichen „konstitutionellen KI“-Rahmen für strenge regulatorische Anforderungen. Diese Integration ist nicht nur ein Upgrade der Werkzeuge; sie stellt einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise dar, wie an der Wall Street hochriskante Transaktionen verarbeitet werden.
Zielsetzung und Implementierung
Durch den Einsatz dieser „digitalen Mitarbeiter“ zielt Goldman Sachs darauf ab, steigende Betriebskosten zu senken und Rekordhandelsvolumina zu bewältigen. Die Partnerschaft signalisiert eine neue Ära, in der generative KI über kreative Texte hinaus in die rigide, datenintensive Welt des globalen Tier-1-Investmentbankings vordringt.
Erweiterung des KI-Einsatzes
Goldmans Partnerschaft mit Anthropic baut auf früheren Experimenten mit KI-Tools auf, die sich auf Softwareentwicklung konzentrierten. Zunächst testete die Firma einen Programmierassistenten, der zur Unterstützung interner Ingenieurteams diente. Obwohl dieses Tool Produktivitätsgewinne lieferte, bemerkte die Unternehmensführung schnell, dass das Claude-Modell breitere Fähigkeiten zeigte, die weit über das Schreiben von Code hinausgingen.
Durch die Nutzung von Claudes logikbasiertem Denken hat die Bank eine Reduzierung von 30 % in der Zeit festgestellt, die für die Einarbeitung neuer institutioneller Kunden benötigt wird. Diese Agenten navigieren durch „Know Your Customer“ (KYC) und Anti-Geldwäsche (AML)-Protokolle, indem sie globale Datenbanken mit internen Compliance-Standards abgleichen.
Automatisierung von Handelsbuchhaltung und Kunden-Onboarding
Die in Entwicklung befindlichen KI-Agenten sollen als sogenannte „digitale Mitarbeiter“ operieren. Sie sind keine eigenständigen Chatbots oder einfachen Automatisierungsskripte, sondern autonome Systeme, die Transaktionsdaten lesen, Aufzeichnungen abgleichen, Anomalien kennzeichnen und Eskalationsprotokolle im Falle von Ausnahmen befolgen können.
Das Kunden-Onboarding ist ein weiterer Schwerpunkt. Die Integration neuer Kunden in die Plattform kann aufgrund umfangreicher KYC-Überprüfungen und Compliance-Zulassungen Wochen in Anspruch nehmen. Durch den Einsatz von KI-Agenten, die Dokumente prüfen, Informationen validieren und Compliance-Regeln konsistent anwenden können, erwartet Goldman eine signifikante Verkürzung der Onboarding-Zeiten.
Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Dienstleister
Der CEO von Goldman Sachs hat bereits signalisiert, dass generative KI zentral für das zukünftige Betriebsmodell der Firma ist. Während die Bank betont, dass die Technologie nicht eingeführt wird, um sofortige Entlassungen auszulösen, sind die Produktivitätsgewinne real. Aufgaben, die einst Teams von Junior-Mitarbeitern erforderten, können zunehmend von KI-Systemen übernommen werden.
Die Auswirkungen auf externe Dienstleister könnten unmittelbarer sein. Goldman verlässt sich derzeit auf externe Firmen für Teile seiner Compliance-, Buchhaltungs- und Betriebsabläufe. Mit dem Reifegrad der KI-Agenten könnte der Bedarf an diesen Dienstleistungen sinken, was weitreichende Folgen für die Outsourcing-Branche im Finanzdienstleistungssektor haben könnte.
Fazit
Goldman Sachs prüft bereits weitere Anwendungsfälle. Die ersten Wellen von KI-Agenten stehen kurz vor der Einführung, und wenn sie erfolgreich sind, könnte Goldman Sachs einen Maßstab dafür setzen, wie große Finanzinstitute KI in kritische Betriebsabläufe integrieren. Die Botschaft der Bank ist klar: Dies ist kein Pilotprojekt, sondern der Beginn eines strukturellen Wandels in der Art und Weise, wie Bankgeschäfte erledigt werden.