Gerichtsurteile zu KI-Urheberrechtsansprüchen

Gerichte lehnen Abkürzungen bei Urheberrechtsansprüchen gegen KI ab

In zwei aktuellen Entscheidungen des Bezirksgerichts für den südlichen Bezirk von New York wird aufgezeigt, wie Gerichte mit Urheberrechtsansprüchen gegen generative KI-Unternehmen umgehen. Obwohl die Fälle in unterschiedlichen Kontexten und mit verschiedenen KI-Produkten auftreten, teilen sie einen gemeinsamen Nenner: Zumindest in der Klagephase sind die Gerichte nicht bereit, KI-generierte Ausgaben kategorisch als nicht verletzend zu behandeln oder komplexe Fragen der Ähnlichkeit und Kausalität rechtlich zu klären.

Erster Fall: Urheberrechtsansprüche gegen KI

Im Fall David Baldacci et al. gegen Open AI Inc. wies das Bezirksgericht den Versuch von OpenAI zurück, die Ansprüche der Autoren abzulehnen, dass die Ausgaben von ChatGPT urheberrechtlich geschützte Bücher durch die Erstellung von Zusammenfassungen, Fortsetzungen und anderen abgeleiteten Inhalten verletzen, die angeblich geschützte Elemente der Originalwerke nachbilden. OpenAI argumentierte, dass die Klage gescheitert sei, da keine wörtlichen Ausgaben angehängt wurden und dass Zusammenfassungen oder Gliederungen per Definition nicht wesentlich ähnlich zu vollständigen literarischen Werken sein könnten. Das Bezirksgericht war in beiden Punkten anderer Meinung.

Das Gericht stellte fest, dass die angeblichen Ausgaben ausreichend in die Klage durch Verweis aufgenommen wurden, was es dem Gericht ermöglichte, diese zu berücksichtigen, auch wenn sie nicht physisch angehängt waren. Wichtiger noch betonte das Gericht, dass die wesentliche Ähnlichkeit – insbesondere wenn Werke sowohl schützenswerte als auch nicht schützenswerte Elemente enthalten – eine faktische Untersuchung erfordert, die sich nicht für eine Klärung in der Klagephase eignet. Das Gericht erklärte, dass selbst verkürzte oder abgekürzte Ausgaben geschützte Ausdrucksformen, einschließlich Charakterentwicklung, Erzählstruktur und spezifische Plotelemente, annehmen können.

Zweiter Fall: Urheberrechtsansprüche gegen ein anderes KI-System

Diese Logik galt auch in einer neueren Entscheidung des Bezirksgerichts im Fall Advance Local Media LLC gegen Cohere Inc. In diesem Fall behaupteten große Nachrichtenverlage, dass das KI-System von Cohere wörtliche Reproduktionen, enge Paraphrasen oder „substitutive Zusammenfassungen“ urheberrechtlich geschützter Nachrichtenartikel erzeugt – Ausgaben, die die Verlage als Ersatz für die Originalwerke betrachten und nicht nur als faktische Referenzen. Wie bei OpenAI versuchte Cohere, die Ansprüche der Verlage abzuweisen und argumentierte, dass Zusammenfassungen per se transformativ seien und jede Überschneidung nicht urheberrechtlich geschützte Fakten widerspiegle. Das Bezirksgericht wies diese Argumentation zurück und stellte fest, dass während Fakten selbst nicht geschützt sind, die ursprüngliche Präsentation dieser Fakten sehr wohl geschützt sein kann.

Implikationen und Risiken

Beide Entscheidungen zeigen auch die richterliche Skepsis gegenüber Bemühungen, Ansprüche auf sekundäre Haftung abzuweisen, basierend auf dem Argument, dass KI-Tools lediglich allgemeine Technologien sind. Im Fall Cohere wurde den Behauptungen Glauben geschenkt, dass das System entwickelt und vermarktet wurde, um Nachrichteninhalte abzurufen und bereitzustellen. Diese Designentscheidungen, kombiniert mit den Vorwürfen von Wissen und fortgesetztem Betrieb trotz Mitteilung, waren ausreichend, um Ansprüche auf Beitrags- und Anstiftungshaftung zu erheben. Ähnlich betonte das Gericht im Fall OpenAI, dass Fragen darüber, wie und warum ein KI-Modell bestimmte Ausgaben erzeugt – sei es durch Memorierung, Trainingseffekte oder anpassungsbedingte Rekonstruktion – ohne eine faktische Untersuchung nicht geklärt werden können.

Fazit

Diese Entscheidungen zeigen, dass Gerichte nicht bereit sind, diese Urheberrechtsstreitigkeiten in Fällen abzuschließen, in denen Kläger behaupten, dass KI-Ausgaben geschützten Ausdruck in kommerziell bedeutenden Weisen replizieren. Für Rechteinhaber unterstreichen diese Entscheidungen die Wichtigkeit, Ansprüche mit spezifischen Beispielen für Ausgaben zu untermauern und kohärente Theorien über Marktschäden darzulegen, insbesondere wenn KI-generierte Inhalte als Ersatz für die urheberrechtlich geschützten Werke selbst fungieren können.

Da die Urheberrechtsstreitigkeiten im Bereich KI weiterhin evolvieren, deuten diese frühen Entscheidungen darauf hin, dass die bedeutendsten rechtlichen Auseinandersetzungen auf umfassenderen faktischen Aufzeichnungen basieren werden, die testen, wie generative Systeme tatsächlich im praktischen Einsatz funktionieren und mit Originalwerken konkurrieren.

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