AI-Powerplay: Kann Europa zu den USA und China aufschließen?
Die Vereinigten Staaten haben 40 KI-Grundlagenmodelle entwickelt. China hat 15 Modelle entwickelt. Ganz Europa hat zusammen nur drei Modelle erschaffen.
Die Europäische Union verliert das globale „KI-Rennen“ in nahezu jeder wichtigen Kennzahl, mit Ausnahme der Regulierung. Während China und die Vereinigten Staaten Milliarden in Infrastruktur, Talente, Startups, Labore und Forschung investieren, konzentriert sich Europa auf Regeln. Politische Belastungen und Fragmentierung über 27 Mitgliedstaaten hinweg schaffen erhebliche Hindernisse: Der Fortschritt ist inkonsistent, Talente wandern ab und Kapital fließt woanders hin.
Der Leiter eines europäischen Startup-Netzwerks äußert sich klar zur Ungleichheit: „Die EU sollte aufhören, sich selbst für ihre Rolle als weltweiter Regulator in der Technologie zu loben. Einige Elemente des Digital Markets Act wurden entwickelt, um den Wettbewerb zu fördern. Aber insgesamt haben wir viel zu lange darauf fokussiert, zu regulieren, anstatt jeden Tag zu überlegen, was wir tun können, um Europa zum wettbewerbsfähigsten und wohlhabendsten Ort der Welt zu machen.“
Talent ohne Antrieb
Das Paradoxon ist klar: Obwohl Europa erstklassige Talente hervorbringt, gelingt es nicht, diese im Land zu halten. Die EU hat etwa 30 % mehr KI-Profis pro Kopf als die USA, aber bessere Finanzierung, klarere Karrierewege und geringere Regulierungen im Ausland ziehen sie weg. Drei von vier europäischen internationalen KI-PhD-Studenten an amerikanischen Universitäten bleiben mindestens fünf Jahre in den USA.
Diese Abwanderung wirft die grundlegende Frage auf: Hat Europa das globale Rennen um KI bereits verloren? „Wenn es um KI-Startups und Scale-ups in Europa geht, gibt es eindeutig einige Hürden. Und wenn ich es auf eine reduzieren müsste, wäre es die Finanzierung“, sagt der Leiter des Netzwerks.
Infrastrukturdefizite und verspätetes Aufholen
Die Finanzierungslücke wirkt sich direkt auf die KI-Infrastruktur Europas aus. Der Kontinent hat weniger Rechenzentren und viel weniger KI-spezifische Rechenkapazitäten. Um dies zu adressieren, hat die Europäische Kommission Initiativen angekündigt, darunter KI „Fabriken“ und zukünftige „Gigafabriken“, die mit öffentlicher Finanzierung unterstützt werden sollen.
Durch die Initiative InvestAI zielt die EU darauf ab, 200 Milliarden Euro zu mobilisieren, einschließlich 20 Milliarden Euro für den Bau von bis zu fünf KI-Gigafabriken. Diese sollen mehr als 100.000 fortschrittliche KI-Chips produzieren. Die Kommission hat bereits zahlreiche Vorschläge erhalten, um diese Einrichtungen zu hosten, und plant, die Rechenzentrums-Kapazität in Europa innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen.
Risiken und Herausforderungen
Die Regulierung bleibt eine zentrale Herausforderung. Europa will führend in der ethischen, menschenzentrierten KI sein. Bis August 2027 plant die Europäische Kommission die Umsetzung des ersten umfassenden KI-Regulierungsrahmens, des KI-Gesetzes.
Das Gesetz basiert auf einem risikobasierten Ansatz: Je größer das potenzielle Risiko eines KI-Systems für Menschen ist, desto strenger sind die Regeln. Kritiker argumentieren, dass die strengen Vorschriften und die bürokratische Komplexität die Innovation verlangsamt haben.
Fazit
Die Abhängigkeit Europas von externen Akteuren für zentrale KI-Komponenten ist deutlich. Die wettbewerbsfähige Lage ist nicht verloren, aber Europas Zeitfenster, um aufzuholen, schließt sich schnell.