EU KI-Gesetz: Praktischer Leitfaden für die Biowissenschaften

EU AI Act: Kompakter praktischer Leitfaden für den Life Sciences-Sektor

Von der Forschung und Diagnose bis zur Entwicklung innovativer Therapien: Künstliche Intelligenz (KI) hat das Potenzial, verschiedene Segmente der Life Sciences-Branche zu transformieren. Dank technologischen Fortschritts wird es in Zukunft möglich sein, große Mengen biomedizinischer Daten zu analysieren, komplexe Muster zu erkennen und präzise Vorhersagen zu treffen. Dies ist ein bedeutender Werthebel, der neue Wachstumsoptionen eröffnet.

Der AI Act der Europäischen Union (EU AI Act), der zukünftige Rechtsrahmen für die sichere und ethische Nutzung von KI, ist rechtlich bahnbrechend – und bindend – für Unternehmen. Doch was bedeutet der EU AI Act konkret für den Life Sciences-Sektor? In einem White Paper wird präzise und praktisch aufgezeigt, welche Anforderungen und Implikationen Unternehmen bei der Vorbereitung auf die Einhaltung beachten sollten und wie ein proaktiver Ansatz zur Risikominderung gestaltet werden kann.

Überblick über den EU AI Act

Der EU AI Act kategorisiert KI-Systeme nach Risikolevel und auferlegt Entwicklern und Nutzern Verpflichtungen. Für KI-Systeme mit hohem Risiko, wie sie im Gesetz definiert sind, müssen Entwickler vor der Implementierung ein sogenanntes Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen. Dies gilt auch für Systeme, die in der medizinischen Diagnose, Behandlungsempfehlungen und der Präzisionsmedizin eingesetzt werden. Obwohl grundsätzlich eine Selbstbewertung vorgesehen ist, wird dies in der Praxis erst zukünftig möglich sein.

Der EU AI Act gilt auch für KI-Systeme, die außerhalb der EU entwickelt werden, aber innerhalb der EU vermarktet oder verwendet werden. Dies bedeutet, dass Entwickler von KI-Systemen unabhängig von ihrem Standort den EU AI Act einhalten müssen, wenn sie ihre Systeme in der EU anbieten möchten. Zudem wird der EU AI Act auch für Unternehmen aus Drittstaaten ausgelegt, die künstliche Intelligenz zur Entwicklung von Produkten nutzen, die auf dem europäischen Markt verkauft werden sollen.

Der EU AI Act soll im Juni 2024 in Kraft treten. Derzeit sieht das Gesetz gestaffelte Übergangsfristen von sechs bis 36 Monaten für verschiedene Kategorien von KI-Systemen vor. Manager in den Bereichen Compliance, Datenverwaltung sowie der Entwicklung und Nutzung von KI-Technologien sollten sich auf neue Verantwortlichkeiten vorbereiten.

Auswirkungen und Anforderungen des EU AI Act auf die Life Sciences

Der EU AI Act hat weitreichende Konsequenzen für verschiedene Bereiche des Life Sciences-Sektors, einschließlich Begleitdiagnostik und klinischen Studien. Der EU AI Act wird auch erhebliche Auswirkungen auf die Medizintechnikindustrie haben, insbesondere auf die Herstellung von Produkten, die als „hochriskant“ eingestuft werden. Die Anforderungen betreffen insbesondere das Risikomanagement, die Datenverwaltung und die Überwachung der Einhaltung von Vorschriften. Für Unternehmen, die KI-unterstützte Produkte herstellen, ist es ratsam, externe Beratung in Anspruch zu nehmen, um die komplexe Situation ganzheitlich zu managen.

In dem White Paper wird die Bewertung des Reifegrads von Unternehmen in neun Kategorien dargestellt, die im Hinblick auf die zukünftigen Anforderungen besonders zu berücksichtigen sind. Die einzelnen Aspekte werden separat dargestellt. Die Bewertung kann auf einer Skala von 1 (unvorbereitet) bis 5 (führend) erfolgen. Die folgenden Aspekte müssen kategorisiert werden:

  • Risikoklassifikation
  • Konformitätsbewertung
  • Transparenz
  • Menschliche Aufsicht
  • Fairness, Nichtdiskriminierung und Verzerrung
  • Erklärbarkeit
  • Datenverwaltung
  • Cybersicherheit
  • Compliance und Durchsetzung

Die Autoren erklären zudem im Detail, wie Unternehmen im Life Sciences-Sektor unterstützt werden können – von der Strategieentwicklung bis zur praktischen Prozessüberwachung.

More Insights

Verantwortungsvolle KI: Ein unverzichtbares Gebot für Unternehmen

Unternehmen sind sich der Notwendigkeit von verantwortungsvollem KI-Betrieb bewusst, behandeln ihn jedoch oft als nachträglichen Gedanken oder separates Projekt. Verantwortliche KI ist eine vordere...

Neues KI-Governance-Modell gegen Schatten-KI

Künstliche Intelligenz (KI) verbreitet sich schnell in den Arbeitsplatz und verändert, wie alltägliche Aufgaben erledigt werden. Unternehmen müssen ihre Ansätze zur KI-Politik überdenken, um mit der...

EU plant Aufschub für AI-Gesetzgebung

Die EU plant, die Anforderungen für risikobehaftete KI-Systeme im KI-Gesetz bis Ende 2027 zu verschieben, um Unternehmen mehr Zeit zu geben, sich anzupassen. Kritiker befürchten, dass diese...

Weißes Haus lehnt GAIN AI-Gesetz ab: Nvidia im Fokus

Das Weiße Haus hat sich gegen den GAIN AI Act ausgesprochen, während es um die Exportbeschränkungen für Nvidia-AI-Chips nach China geht. Die Diskussion spiegelt die politischen Spannungen wider, die...

Ethische KI als Beschleuniger für Innovation

Unternehmen stehen heute unter Druck, mit künstlicher Intelligenz zu innovieren, oft jedoch ohne die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen. Indem sie Datenschutz und Ethik in den Entwicklungsprozess...

KI im Recruiting: Verborgene Risiken für Arbeitgeber

Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Arbeitgeber Talente rekrutieren und bewerten. Während diese Tools Effizienz und Kosteneinsparungen versprechen, bringen sie auch erhebliche...

KI im australischen Kabinett: Chancen und Sicherheitsbedenken

Die australische Regierung könnte in Betracht ziehen, KI-Programme zur Erstellung sensibler Kabinettsanträge zu nutzen, trotz Bedenken hinsichtlich Sicherheitsrisiken und Datenverletzungen...