AI-Systeme könnten ‚digitale Kolonialismus‘ durch die Extraktion indigenen Daten anheizen
Forschungen warnen, dass künstliche Intelligenz (KI) in der digitalen Ära Muster kolonialer Ausbeutung reproduzieren könnte. Ohne stärkere Governance-Rahmen könnte KI zu einem weiteren Mechanismus werden, durch den mächtige Institutionen Wert aus marginalisierten Bevölkerungen extrahieren, während diese von den Vorteilen ausgeschlossen bleiben.
Die Risiken der KI-Extraktivität
Eine neue Studie untersucht dieses wachsende Risiko und schlägt einen rechtlichen und governance-gestützten Rahmen vor, um es zu verhindern. Die Forschung zeigt, dass KI-Systeme zunehmend auf Daten aus indigenen Gemeinschaften angewiesen sind, ohne bedeutende Aufsicht, Entschädigung oder Beteiligung.
Die Autoren stellen fest, dass die Entwicklung von KI zunehmend von massiven Datensätzen abhängt, die oft indigene sprachliche Aufzeichnungen, ökologisches Wissen, biometrische Informationen und geospatialen Daten beinhalten. Diese Ressourcen werden häufig aus Online-Repositories, digitalen Archiven und Überwachungstechnologien gesammelt, unter der Annahme, dass öffentlich zugängliche Daten kostenlos genutzt werden können. Dieser Ansatz birgt das Risiko, historische Muster kolonialer Extraktivität zu reproduzieren.
Wie KI Muster digitalen Kolonialismus reproduziert
Die Studie identifiziert mehrere Bereiche, in denen KI-Technologien bereits historische Muster kolonialer Ressourcenausbeutung reproduzieren. Ein bemerkenswertes Beispiel betrifft die Nutzung indigener Sprachen in KI-Trainingsdatensätzen. Maschinenlernmodelle für Spracherkennung und Übersetzung greifen zunehmend auf Aufzeichnungen bedrohter Sprachen zurück, die aus dem Internet gesammelt wurden, oft ohne Rücksprache mit den Gemeinschaften, die sie produziert haben.
Die Bewahrung der Sprache ist für viele indigene Gruppen eng mit kultureller Identität und historischem Überleben verbunden. Sprachen, die einst durch koloniale Politiken unterdrückt wurden, werden jetzt digitalisiert und in KI-Systeme integriert, ohne dass die Gemeinschaften beteiligt sind. Diese Prozesse können das kulturelle Erbe in kommerzielle Datenressourcen verwandeln.
Ein weiteres besorgniserregendes Gebiet ist die Ausweitung biometrischer Technologien, die von KI unterstützt werden. Systeme zur Gesichtserkennung und große biometrische Identifikationsprogramme zielen häufig unverhältnismäßig auf indigene Gemeinschaften und Aktivisten ab.
Ökologische und biologische Datenextraktion
Fortschritte in der digitalen Biologie ermöglichen es Wissenschaftlern und Unternehmen, genetische Informationen von Pflanzen, Tieren und Ökosystemen zu sequenzieren. Diese genetischen Daten können dann in globalen Datenbanken hochgeladen und weltweit genutzt werden, was neue Formen der Biopiraterie ermöglichen könnte.
Warum bestehende KI-Governance unzureichend ist
Aktuelle KI-Governance-Rahmen sind nicht in der Lage, die ethischen Herausforderungen zu bewältigen, die durch die Datenerfassung aus indigenen Gemeinschaften entstehen. Während internationale Vereinbarungen existieren, um die Nutzung biologischer Ressourcen zu regeln, fehlen ähnliche Schutzmaßnahmen im digitalen Bereich.
Ein vorgeschlagenes globales Governance-Modell für ethische KI-Daten
Um die Risiken der KI-Extraktivität zu adressieren, schlägt die Studie ein neues internationales Governance-Modell vor, das Mechanismen für Zugang und Nutzen mit indigenen Daten-Governance-Rahmen kombiniert. Dieses Modell würde rechtliche Grundlagen für den Zugang und die Nutzung von Daten schaffen und erfordern, dass KI-Entwickler vor der Datensammlung Einwilligungen einholen und faire Bedingungen aushandeln.
Die Studie betont, dass die KI-Governance über freiwillige Richtlinien hinausgehen muss, um verbindliche internationale Standards zu schaffen. Da die Entwicklung von KI grenzüberschreitend erfolgt, sind nationale Vorschriften allein nicht ausreichend, um die Datenausbeutung in verschiedenen Teilen der Welt zu verhindern.