Wie aktivistische Investoren die Nutzung von KI als Governance-Test betrachten könnten
Aktivistische Investoren könnten bald beginnen, die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) durch Unternehmensvorstände genau zu überwachen, ebenso wie sie es bei Themen wie ESG (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) und Cybersicherheit tun. Der Fokus liegt dabei nicht auf Effizienz, sondern auf der treuhänderischen Verantwortung.
Erwartungen an die Transparenz
Die Anforderungen an die Transparenz im Zusammenhang mit KI werden sich darauf konzentrieren, ob die Vorstandsmitglieder die verfügbaren Tools vollständig nutzen, um ihren Pflichten nachzukommen. Mit KI-Tools ist es einfacher, Daten zu sammeln, Benchmarks zu erstellen, Recherchen durchzuführen und Szenarioanalysen durchzuführen. Die Überprüfung wird sich darauf konzentrieren, ob die Vorstandsmitglieder KI effektiv einsetzen, um ihre Aufgaben zu erfüllen.
Risiken eines Versäumnisses
Das Versäumnis, KI zu nutzen, könnte als Versäumnis der treuhänderischen Pflicht interpretiert werden. Wenn ein Vorstand im Jahr 2027 nicht KI nutzt, Ziele verfehlt und den Aktionärswert verliert, könnte dies Teil einer Klage von Aktionären werden. Die Frage wird sein, ob die Vorstandsmitglieder ihren Verpflichtungen nachgekommen sind, wenn weit verbreitete Tools verfügbar sind, die die Entscheidungsfindung verbessern könnten.
Die Bedeutung von KI-Kompetenz
Ein zentrales Thema in dieser Diskussion ist die KI-Kompetenz. Vorstände werden zunehmend danach bewertet, ob sie verstehen, wie KI das Geschäft beeinflusst, einschließlich Lieferketten, Produkte, Marktchancen und Strategien. Um an diesen Gesprächen teilnehmen zu können, benötigen Vorstände ein grundlegendes Verständnis von KI.
Ausbildung und Risikomanagement
Vorstände sollten KI-Ausbildung genauso behandeln wie andere zentrale Governance-Themen. Während einige Vorstandsmitglieder tiefergehende Kenntnisse erwerben können, sollten Unternehmen bereits grundlegende Schulungen für den gesamten Vorstand anbieten.
Ein weiteres Problem ist, dass viele Vorstandsmitglieder bereits KI-Tools ohne formale Anleitung nutzen, was Governance- und Vertraulichkeitsrisiken birgt. Studien zeigen, dass etwa 66 Prozent der Vorstandsmitglieder Materialien in Open-Source-KI-Tools eingeben, während nur etwa 20 Prozent über Richtlinien zur KI-Nutzung verfügen. Diese Lücke setzt Unternehmen Risiken im Bereich Vertraulichkeit und Anwaltsgeheimnis aus.
Dokumentation und Transparenz
Die Dokumentation der KI-Überwachung sollte in den Vorstandsunterlagen, Berichten und Protokollen sichtbar sein, wobei KI in die Diskussionen über Strategie, Personal und Risiko eingebettet werden sollte. KI-Ausbildung sollte ausdrücklich in die fortlaufende Entwicklung des Vorstands integriert werden.
Die Rolle des Rechtsberaters
Mit der zunehmenden Integration von KI in die Governance verändert sich auch die Rolle des Rechtsberaters. Diese Position wird strategischer und stärker mit dem Unternehmensrisikomanagement verbunden. Rechtsberater, die KI-flüssig sind und Organisationen helfen, KI sicher und effektiv zu nutzen, werden sich hervorheben.
Kultur und Akzeptanz
Die Unternehmenskultur könnte eines der größten Hindernisse darstellen. Ängste in Bezug auf Sicherheit, Ersatz, Wahrnehmung und Misserfolg können die Nutzung von KI behindern. In Organisationen, die keine Experimentierfreude zulassen, wird die Nutzung von KI oft entmutigt.
Fazit
Während sich die Erwartungen von Vorständen, Investoren und Regulierungsbehörden anpassen, könnte die entscheidende Frage bald nicht mehr sein, ob Vorstandsmitglieder KI nutzen können, sondern ob sie rechtfertigen können, dass sie es nicht tun.