AI-Washing: Die neue Form des Greenwashing – Wie die Emerging Technologies Unit der SEC die Compliance-Landschaft neu gestaltet
Die Gründung der Cybersecurity & Emerging Technologies Unit (CETU) der US-amerikanischen Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde (SEC) markiert einen entscheidenden Wandel in der Herangehensweise der Regulierungsbehörden an künstliche Intelligenz. Was einst als Marketingoptimismus begann, hat sich zu einem regulierten Bereich mit echtem Durchsetzungsvermögen entwickelt. Die Mission der CETU umfasst die Untersuchung von KI-Betrug, KI-Themenbetrügereien, Cybersecurity-Täuschungen und falschen oder irreführenden Aussagen über aufkommende Technologien.
AI-Washing vs. Greenwashing: Zwei Seiten derselben Medaille der Fehlrepräsentation
Regulierungsbehörden verfolgen Unternehmen seit über einem Jahrzehnt wegen Greenwashing – falscher Umweltbehauptungen, die darauf abzielen, Investoren oder Kunden anzuziehen. Jetzt taucht AI-Washing als die nächste große Herausforderung auf. Gemeinsame Merkmale beider Praktiken sind:
- Übertriebene Behauptungen in Marketing oder Offenlegungen;
- Mangel an unterstützenden Beweisen;
- Ansprache von Investorenstimmungen (Nachhaltigkeit, Innovation, ESG, „KI-gesteuerte“ Lösungen);
- Versäumnis, Einschränkungen oder Risiken offenzulegen;
- Druck aus wettbewerbsintensiven Märkten, der Übertreibungen fördert;
- Untersuchungen durch Whistleblower;
- Wesentliche Fehlrepräsentationen gemäß Wertpapierrecht;
- Irreführende Werbung gemäß Wettbewerbsrecht.
AI-Washing kann sogar noch problematischer sein, da es Behauptungen über Algorithmen, Automatisierung oder Risikomodelle beinhaltet, auf die sich Investoren verlassen. Dies führt zu regulatorischen Maßnahmen und einer Verschärfung der Überprüfungen.
CETU: Die Durchsetzungsreaktion der SEC auf AI-Washing
Die CETU ist mit der Untersuchung irreführender KI-Offenlegungen und KI-gesteuerter Täuschungen beauftragt. Der Aufbau auf den ersten Durchsetzungsmaßnahmen der SEC gegen AI-Washing im Jahr 2024 zeigt eine Veränderung in der US-amerikanischen Herangehensweise: Wer KI-Fähigkeiten beansprucht, muss diese nachweisen.
Vergleich mit dem Vereinigten Königreich, der EU und Kanada
Im Vereinigten Königreich wird AI-Washing indirekt durch Regelungen der FCA angegangen, die klare, faire und nicht irreführende Kommunikation verlangen. Die EU führt den AI Act ein, der Transparenz- und Dokumentationspflichten sowie risikobasierte Kategorisierungen von KI-Systemen umfasst. In Kanada warnen die Canadian Securities Administrators (CSA) ausdrücklich vor AI-Washing und könnten ähnliche Regelungen wie in der EU einführen.
Wie Unternehmen AI-Washing (und Greenwashing) bekämpfen können: Wesentliche Schritte
Um sowohl AI-Washing als auch Greenwashing zu bekämpfen, müssen Unternehmen strukturelle, fortlaufende und überprüfbare Kontrollen implementieren. Die erforderlichen Schritte umfassen:
- Nachweisbare Ansprüche
Führen Sie technische Dokumentationen, die jede KI- oder Nachhaltigkeitsbehauptung untermauern.
- Interne Überprüfung
KI-Behauptungen müssen eine Überprüfung durch verschiedene Abteilungen durchlaufen.
- Vermeidung von Superlativen ohne Beweis
Vermeiden Sie übertriebene Begriffe, die nicht durch messbare Beweise gestützt sind.
- Dokumentation von Einschränkungen
Offenlegung bekannter Risiken und Genauigkeitsgrenzen.
- Etablierung von Governance-Strukturen
Um sicherzustellen, dass die Governance vor Whistleblower-Beschwerden implementiert wird.
Warum das wichtig ist: KI-Hype wird zu einer rechtlichen Haftung
Die Lehren aus dem Greenwashing sind klar: Wenn Märkte gewagte Behauptungen belohnen, übertreiben Unternehmen. Mit CETU hat die SEC erklärt, dass KI-Darstellungen nun eine Frage der Integrität von Wertpapieren sind, nicht des Marketings. Unternehmen müssen Genauigkeit, Governance und Nachweisbarkeit priorisieren.
Fazit: Der Weg zur Compliance führt über Überprüfung, Governance und Dokumentation
AI-Washing ist kein vorübergehender Trend – es ist das nächste große Durchsetzungsthema in der globalen Regulierung. Eine Kombination aus forensischer Prüfung und rechtlicher Beratung ist jetzt unerlässlich, um die Genauigkeit von AI- und Nachhaltigkeitsbehauptungen zu überprüfen und zu korrigieren.